Augenpflege beim Hund: Verklebte Augen richtig reinigen und Tränenspuren vorbeugen

Klare, glänzende Augen sind ein Zeichen dafür, dass es deinem Hund gut geht. Doch fast jeder Hundehalter kennt das Bild am Morgen: verklebte Lider, kleine Krusten im Augenwinkel oder rötlich-braune Spuren im Fell. Meist ist das harmlos – aber nicht immer. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Ursachen hinter verklebten Augen und Tränenspuren stecken, wie du sie sicher und schonend reinigst und woran du erkennst, dass ein Tierarztbesuch nötig ist.
Warum verkleben Hundeaugen und wie entstehen Tränenspuren?
Tränenflüssigkeit ist bei Hunden ein völlig normaler Schutzmechanismus – sie hält das Auge feucht und spült kleine Fremdkörper heraus. Erst wenn deutlich mehr Flüssigkeit produziert wird oder der Abfluss gestört ist, wird es sichtbar und kann zu Verklebungen oder Verfärbungen im Fell führen.
Zugluft, Staub und Umweltreize
Eine der häufigsten und harmlosesten Ursachen ist Reizung durch Umweltfaktoren. Tränende Augen können viele Ursachen haben, von harmlosen Reizungen durch Staub oder Zugluft bis hin zu Augenentzündungen oder Allergien. Autofahrten mit offenem Fenster, windige Spaziergänge oder Heizungsluft können also ganz normale Auslöser sein, die meist von selbst wieder abklingen.
Fremdkörper im Auge
Gräser, Sandkörner oder kleine Ästchen bleiben beim Toben schnell im Auge hängen und lösen einen Reizzustand mit vermehrtem Tränenfluss aus. Manchmal sitzen Fremdkörper tiefer im Auge und sind für dich nicht sichtbar – dann sollte unbedingt ein Tierarzt prüfen.
Verstopfte oder zu enge Tränenkanäle
Besonders bei kleinen, hellen Rassen sind anatomische Besonderheiten die Ursache für dauerhafte Tränenspuren. Besonders bei kleinen, weißen Hunden treten oft rötlich-braune Tränenspuren auf. Das liegt meist nicht an einem vermehrten Tränenfluss, sondern an einem anatomisch bedingten, zu engen Tränen-Nasen-Kanal, der den Abfluss der Tränenflüssigkeit erschwert. Ist der Kanal geschwollen oder verklebt, läuft die Flüssigkeit stattdessen übers Gesicht ab: Ist der Tränenkanal geschwollen oder verstopft können die Tränen nicht über die Nase ablaufen, sondern laufen stattdessen über das Gesicht ab und hinterlassen eine dunkle Tränenspur im Fell. Bei manchen Rassen fehlt der Kanal zudem von Geburt an, was gehäuft vorkommt.
Die dunkle Färbung selbst entsteht durch einen natürlichen Prozess: Sie entstehen durch übermäßigen Tränenfluss, wobei Bakterien und Hefen das in den Tränen enthaltene Porphyrin oxidieren lassen. Für die meisten Hunde ist das rein kosmetisch, sollte aber trotzdem im Blick bleiben, da sich feuchtes, verklebtes Fell zum Nährboden für Keime entwickeln kann.
Bindehautentzündung und andere Reizungen

Ein cremefarbener Golden Retriever sitzt ruhig auf dem Untersuchungstisch einer modernen Tierarztpraxis. Im Hintergrund sind medizinische Geräte, Regale mit Medikamenten und ein Zahnschrank zu sehen, was die professionelle Umgebung einer Tierarztpraxis unterstreicht.
Auch entzündliche Ursachen kommen vor. Der Augenausfluss kann dabei klar und flüssig sein, oder schleimig bis eitrig-gelb und verklebt. Häufig ausgelöst wird eine Bindehautentzündung durch Wind, Staub oder Fremdkörper, aber auch durch Bakterien, Viren oder Allergene.
Hundeaugen sicher reinigen: Schritt für Schritt
Die tägliche oder wöchentliche Kontrolle und Reinigung der Augenpartie gehört zur Grundpflege jedes Hundes – besonders bei Rassen mit viel Fell im Gesicht oder kurzer Schnauze. Mit der richtigen Vorgehensweise ist das schnell erledigt und für den Hund unangenehm, aber nicht schmerzhaft.
Das brauchst du
- Ein weiches, fusselfreies Tuch oder spezielle Augenpads – keine Wattestäbchen oder groben Wattepads
- Sterile, milde Kochsalzlösung (0,9 %) aus der Apotheke oder ein spezieller Augenreiniger für Hunde ohne Konservierungsstoffe
- Lauwarmes, abgekochtes Wasser als schonende Alternative für die tägliche Reinigung
- Saubere Hände
Für die reine Reinigung eignet sich eine milde Kochsalzlösung besonders gut, da sie der natürlichen Tränenflüssigkeit sehr ähnlich ist. Zum bloßen Reinigen des Auges ist eine 0,9%ige Kochsalzlösung zu empfehlen. Fertige Augenreinigungslösungen oder -tücher sind eine praktische, hygienische Alternative, da sie steril verpackt und sofort einsatzbereit sind.
So gehst du vor
- Hände gründlich waschen, bevor du das Auge berührst, um keine Keime zu übertragen.
- Tuch oder Augenpad mit lauwarmem Wasser, Kochsalzlösung oder Augenreiniger befeuchten – nicht triefend nass.
- Vorsichtig vom inneren zum äußeren Augenwinkel wischen, niemals in Richtung Auge selbst.
- Für jedes Auge ein frisches Tuch verwenden, damit sich Keime nicht von einem Auge auf das andere übertragen.
- Verkrustungen nicht abrubbeln, sondern kurz einwirken lassen, bis sie sich von selbst lösen.
- Bei langhaarigen Rassen das Fell um die Augen regelmäßig mit einer stumpfen, abgerundeten Schere kürzen, damit keine Haare ins Auge reiben.
Wichtig für die Hygiene: immer vom inneren zum äußeren Augenwinkel wischen und für jedes Auge ein frisches Wattepad oder weiches Tuch verwenden. So verhinderst du die Übertragung von Bakterien zwischen den Augen.
Was du besser vermeiden solltest
Manche Hausmittel klingen gut gemeint, sind aber nicht unbedenklich. Von Kamillentee raten Fachleute eher ab, da er das Auge reizen oder austrocknen kann: Bitte keinen Kamillentee verwenden, da Kamille am Auge austrocknet. Auch harte Wattestäbchen, parfümierte Feuchttücher oder Produkte mit Konservierungsstoffen haben am empfindlichen Hundeauge nichts zu suchen. Verwende ausschließlich Produkte, die speziell für die Augenpflege bei Hunden vorgesehen sind.
Wie oft solltest du die Augen reinigen?
Wie häufig die Reinigung nötig ist, hängt stark von Rasse und individueller Veranlagung ab. Bei Hunden ohne besondere Tränenneigung reicht meist eine wöchentliche Kontrolle. Rassen mit vermehrtem Tränenfluss oder kurzer Schnauze profitieren dagegen von einer täglichen Reinigung, um Tränenspuren und Verkrustungen gar nicht erst entstehen zu lassen.
Wann musst du mit deinem Hund zum Tierarzt?
Nicht jede Rötung oder jedes Tränen ist ein Notfall – aber bestimmte Anzeichen solltest du ernst nehmen und zeitnah tierärztlich abklären lassen. Augenprobleme können sich schnell verschlimmern, deshalb gilt: Im Zweifel lieber einmal zu viel als zu wenig zum Tierarzt.
- Gelblicher, grünlicher oder eitriger Ausfluss statt klarer Tränenflüssigkeit
- Starke Rötung, Schwellung oder auffällige Lichtempfindlichkeit
- Der Hund kneift das Auge zusammen, blinzelt ständig oder reibt sich auffällig am Kopf
- Tränenfluss oder Verklebungen, die länger als ein bis zwei Tage anhalten oder ohne erkennbaren Grund auftreten
- Trübungen, Glasigkeit oder eine sichtbare Vergrößerung des Auges
- Sichtbare Verletzungen, Kratzer auf der Hornhaut oder ein vermuteter, nicht entfernbarer Fremdkörper
- Anhaltende Tränenspuren trotz regelmäßiger Reinigung – hier kann ein verengter oder verklebter Tränenkanal die Ursache sein
Bleibt der Tränenfluss trotz Spülen bestehen, sollte das fachlich abgeklärt werden: Wenn sich die Lage durch Spülen innerhalb von ein bis zwei Tagen nicht beruhigt hat, gehört das in die Tierarztpraxis und nicht mehr nach Hause. Bei tatsächlich verklebten oder fehlgebildeten Tränenkanälen kann der Tierarzt den Kanal unter Narkose vorsichtig weiten oder in ausgeprägten Fällen einen chirurgischen Eingriff vornehmen. Infektionen und Entzündungen sollten grundsätzlich nicht selbst mit Tropfen oder Salben aus dem Haushalt behandelt werden, sondern gehören in tierärztliche Hände, da eine gezielte Diagnose über Bakterien, Viren, Allergien oder andere Auslöser entscheidet.
Fazit: Kleine Routine mit großer Wirkung
Die regelmäßige Kontrolle und schonende Reinigung der Augen gehört zu den einfachsten, aber wirkungsvollsten Pflegeritualen für deinen Hund. Mit einem fusselfreien Tuch, milder Kochsalzlösung oder speziellem Augenreiniger und ein wenig Geduld hältst du die Augenpartie sauber und erkennst Veränderungen frühzeitig. Bleiben Rötung, Ausfluss oder Tränenfluss trotzdem bestehen, ist der Weg zum Tierarzt der richtige nächste Schritt – für gesunde, klare Hundeaugen ein Leben lang.
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