Fellwechsel im Herbst: So bereitest du deinen Hund optimal auf den Winter vor

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen fallen, beginnt bei unseren Hunden eine bemerkenswerte körperliche Anpassung: der herbstliche Fellwechsel. Anders als im Frühjahr geht es jetzt nicht darum, überschüssige Wärme abzuwerfen, sondern den Körper optimal auf Kälte, Wind und Nässe vorzubereiten. Wer diesen Prozess versteht und gezielt unterstützt, erleichtert seinem Vierbeiner die kommenden Wochen erheblich – und reduziert nebenbei auch die Haarmenge in der eigenen Wohnung.
Warum der Fellwechsel im Herbst anders ist als im Frühjahr
Der Auslöser für den Fellwechsel ist bei Hunden nicht der Kalender, sondern das Licht. Da unsere Hunde keinen Kalender haben und auch keinen Wetterbericht lesen, wird der Fellwechsel vor allem durch die Tageslichtlänge, aber auch durch die Temperaturen beeinflusst. Werden die Tage kürzer, steigt der Melatoninspiegel im Körper des Hundes an und regt die Haarfollikel dazu an, dichtere Unterwolle zu produzieren.
Im Unterschied zum Frühjahr verläuft der Fellwechsel im Herbst meist deutlich sanfter. Der Fellwechsel im Herbst fällt zwar meist leichter aus als im Frühjahr, da keine Unterwolle abgeworfen werden muss. Stattdessen wächst zusätzliches, wärmendes Fell nach, das den Hund vor der kalten Jahreszeit schützt. Der Fellwechsel im Herbst dient der Vorbereitung auf die kommenden, kälteren Monate. Das leichte Sommerfell wird abgeworfen, es wächst ein dickeres und dichteres Winterfell, das vielfach auch eine wärmende Unterwolle beinhaltet.
Zeitlich lässt sich der Prozess grob eingrenzen: Im Herbst, meist zwischen September bis November, tauschen Hunde ihr leichtes Sommerfell gegen das wärmende Winterkleid. Der steigende Melatoninspiegel regt die Haarfollikel an, dichtere Unterwolle zu produzieren. Ein vollständiger Wechsel des Haarkleids kann dabei einige Wochen in Anspruch nehmen, wobei die genaue Dauer von Rasse, Alter und Lebensumständen abhängt.
Wichtig zu wissen: Nicht jeder Hund erlebt den Herbstwechsel gleich intensiv. Wann genau Ihr Hund sein Fell wechselt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einfluss darauf haben zum Beispiel Ihr Wohnort und der Ort, an dem Ihr Hund schläft. Wenn Ihr Hund beispielsweise nachts im Freien schläft, kann er im Herbst früher mit dem Fellwechsel beginnen, um für die kalte Jahreszeit gerüstet zu sein. Auch das Alter spielt eine Rolle: Ältere Hunde haaren oft stärker und benötigen etwas länger für den vollständigen Wechsel als jüngere Tiere.
Die richtige Fellpflege im Herbst
Auch wenn der Herbstfellwechsel meist weniger dramatisch ausfällt als im Frühjahr, bleibt regelmäßiges Bürsten unverzichtbar. Es entfernt lose Haare, bevor sie sich verfilzen, und unterstützt gleichzeitig die Hautgesundheit. Die beste Hilfe ist, die Unterwolle auszubürsten und so das Fell zu belüften. Durch die Massage der Haut beim Bürsten regst du die Produktion der Talgdrüsen an und die Haut reguliert ihren Feuchtigkeitsgehalt.
Welches Werkzeug für welchen Felltyp?
Die passende Bürste hängt maßgeblich von Fellstruktur und Haarlänge ab. Eine Faustregel hilft bei der Orientierung: Je kürzer die Haare, desto dichter dürfen die Zinken sein. Bei einer Hundebürste für Langhaar stehen sie eher weit auseinander, sind dafür aber länger.
- Kurzhaarige Hunde ohne ausgeprägte Unterwolle: Ein weicher Striegel oder eine Noppenbürste mit Gummizinken reicht meist aus. Er löst tote Haare und massiert gleichzeitig die Haut.
- Kurzhaarige Hunde mit dichter Unterwolle: Hier empfiehlt sich ein spezielles Deshedding-Werkzeug mit kurzen, engstehenden Zinken, das die feine Unterwolle löst, ohne das Deckhaar zu beschädigen.
- Langhaarige Hunde mit Unterwolle: Bürsten mit längeren, leicht gebogenen Zinken und größerem Zinkenabstand gleiten am Deckhaar vorbei und entfernen gezielt die Unterwolle darunter.
- Rauhaarige und drahthaarige Rassen: Gezahnte, eher kurze Bürsten eignen sich am besten. Zusätzlich profitieren diese Rassen von regelmäßigem Trimmen durch einen Hundefriseur.
- Lockiges Fell ohne starken Haarwechsel: Diese Felltypen benötigen seltener eine Unterwollbürste, dafür aber regelmäßiges Auskämmen gegen Verfilzungen.
Bei besonders dichtem Unterfell hat sich eine zweistufige Vorgehensweise bewährt: Bei langen Haaren raten wir Ihnen, das Fell vorher mit einer Bürste mit gröberen Borsten zu kämmen. Das erleichtert danach das Entfernen der Unterwolle. So arbeitet man sich systematisch von den oberen Fellschichten zur Unterwolle vor, ohne den Hund unnötig zu ziepen.
Wie oft gebürstet werden sollte, richtet sich ebenfalls nach dem Felltyp. Als grobe Orientierung gilt: seidiges längeres Fell am besten täglich, drahthaariges beziehungsweise rauhaariges Fell etwa einmal pro Woche, langhaariges Fell mit viel Unterwolle etwa einmal pro Woche und glattes, eher kurzes Fell etwas seltener. Während der eigentlichen Wechselphase darf es bei stark haarenden Rassen durchaus häufiger sein.
Nährstoffkick von innen: Ernährung während des Fellwechsels
Ein glänzendes, gesundes Winterfell entsteht nicht nur durch Bürsten von außen, sondern vor allem durch die richtige Versorgung von innen. Der Körper investiert während des Fellwechsels viel Energie in die Bildung neuer Haare. Besonders in der Zeit des Fellwechsels beim Hund kann eine Nahrungsergänzung für Haut und Haar nützlich sein, da sein Körper nun vermehrt neue Haare bildet und daher besonders stark auf hochwertige Nährstoffe angewiesen ist.
Biotin für die Keratinbildung
Biotin, auch als Vitamin B7 bekannt, gilt als einer der wichtigsten Bausteine für gesundes Fell. Biotin spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel von Haut und Haaren. Es fördert die Bildung von Keratin, dem Hauptbestandteil des Fells. Ein Mangel äußert sich oft in sprödem, glanzlosem Haar oder schuppiger Haut.
Omega-3-Fettsäuren gegen Juckreiz
Omega-3-Fettsäuren, etwa aus Fischöl, wirken sich positiv auf die Hautbarriere aus. Sie wirken entzündungshemmend und fördern eine geschmeidige Hautstruktur. Besonders während des Fellwechsels können sie Juckreiz lindern und den natürlichen Glanz des Fells intensivieren. Gerade wenn durch trockene Heizungsluft die Haut zusätzlich strapaziert wird, kann eine ausreichende Versorgung mit diesen Fettsäuren spürbar entlasten.
Zink für Haut und Haarwurzeln
Das Spurenelement Zink ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt. Zink ist ein essentielles Spurenelement, das die Zellteilung und Wundheilung unterstützt. Es hilft dabei, die natürliche Barrierefunktion der Haut aufrechtzuerhalten und sorgt dafür, dass die Haarwurzeln ausreichend mit Energie versorgt werden. Insbesondere Haut, Fell und Immunsystem reagieren empfindlich auf einen Zinkmangel, weshalb eine bedarfsgerechte Versorgung besonders in der Wechselphase sinnvoll ist.
Neben diesen drei Schlüsselnährstoffen spielt auch ausreichend hochwertiges Protein eine Rolle, da Haare größtenteils aus Keratin bestehen. Wer unsicher ist, ob die aktuelle Fütterung den erhöhten Bedarf während des Fellwechsels abdeckt, kann bei anhaltend stumpfem Fell oder auffälligem Hautbild Rücksprache mit dem Tierarzt oder einer Ernährungsberatung halten, statt wahllos Nahrungsergänzungen zu kombinieren.
Häufige Fehler bei der Fellpflege im Herbst
- Falsches Werkzeug verwenden: Eine zu grobe Unterwollbürste kann bei kurzhaarigen Rassen die Haut reizen, eine zu feine Bürste bringt bei dichter Unterwolle kaum Effekt. Die Bürste sollte immer zum individuellen Felltyp passen.
- Nur bei sichtbarem Haarausfall bürsten: Wer erst reagiert, wenn überall Haare liegen, lässt lose Unterwolle zu lange im Fell. Das kann zu Wärmestau, Juckreiz und in Kombination mit Feuchtigkeit sogar zu Hautproblemen führen.
- Baden ohne anschließendes gründliches Trocknen: Feuchtigkeit, die in dichter Unterwolle gefangen bleibt, begünstigt Hautreizungen und unangenehmen Geruch, besonders in der kühleren Jahreszeit.
- Zu viele Nahrungsergänzungen gleichzeitig: Eine unkoordinierte Kombination verschiedener Präparate kann den tatsächlichen Bedarf über- oder unterversorgen. Sinnvoller ist eine gezielte, auf den Hund abgestimmte Ergänzung.
- Hautveränderungen ignorieren: Wird aus normalem Fellwechsel plötzlich starker Juckreiz, Rötung oder Schuppenbildung, deutet das oft auf mehr als nur den saisonalen Wechsel hin. Hier sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden, um Allergien, Pilzinfektionen oder Parasiten auszuschließen.
- Trockene Heizungsluft unterschätzen: Sobald geheizt wird, sinkt die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung, was die Haut zusätzlich strapazieren kann.
Gerade der letzte Punkt wird oft übersehen. Besonders im Herbst, wenn trockene Heizungsluft zum Fellwechsel hinzukommt, kann eine höhere Luftfeuchtigkeit in der Wohnung dazu beitragen, dass es dem Hund weniger zwickt und juckt. Dafür reichen einige Schalen mit Wasser, die zum Beispiel auf den Heizkörpern positioniert werden. Bleibt der Juckreiz trotz dieser Maßnahmen bestehen, gilt: Bleibt der Juckreiz bestehen, sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden, damit Erkrankungen wie Allergien, Pilzinfektionen oder Parasitenbefall ausgeschlossen werden können.
Checkliste für die tägliche Pflegeroutine im Herbst
Eine feste Routine erleichtert sowohl dem Hund als auch dem Halter den Fellwechsel. Diese Punkte lassen sich gut in den Alltag integrieren:
- Fell kurz auf Verfilzungen, Rötungen oder ungewöhnliche kahle Stellen prüfen, bevor gebürstet wird.
- Zunächst mit einer gröberen Bürste die oberen Fellschichten lockern, danach mit der auf den Felltyp abgestimmten Unterwollbürste arbeiten.
- In Problemzonen wie Wirbelsäule, Flanken, Ohren, Hals, Brust und Lendenbereich besonders sorgfältig vorgehen, da sich hier häufig mehr lose Unterwolle sammelt.
- Nach dem Spaziergang im Regen oder bei Nässe das Fell gründlich trocknen, um Feuchtigkeitsstau in der Unterwolle zu vermeiden.
- Auf ausgewogene Fütterung mit ausreichend Biotin, Omega-3-Fettsäuren, Zink und hochwertigem Protein achten.
- Bei trockener Heizungsluft für etwas mehr Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen sorgen.
- Hautbild und Fellqualität regelmäßig beobachten und bei anhaltenden Auffälligkeiten den Tierarzt konsultieren.
Mit dieser Kombination aus regelmäßiger, felltypgerechter Pflege und einer bedarfsgerechten Ernährung kommt der Hund gut gerüstet durch den Herbst – und ist optimal auf die kalten Monate vorbereitet.
Quellen
AniCura – Fellwechsel beim Hund, FirstVet – Fellwechsel beim Hund, FURminator – Fellwechsel & deShedding, BluePet – Unterfellbürste Hund
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