Liegeschwielen beim Hund behandeln: Ursachen, Pflege und Vorbeugung

Kennen Sie das auch? Ihr Hund liegt scheinbar am liebsten genau dort, wo der Boden am härtesten ist – auf Fliesen, Parkett oder Terrassenplatten. Was für uns unbequem wirkt, ist für viele Hunde ein liebster Ruheplatz. Auf Dauer hinterlässt das jedoch Spuren an Ellenbogen, Hüfte oder Sprunggelenk: die sogenannten Liegeschwielen. Besonders große und schwere Rassen sind betroffen. In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen, wie Liegeschwielen entstehen, woran Sie sie erkennen, wie Sie richtig pflegen und wie Sie Ihrem Hund vorbeugend ein bequemeres Leben ermöglichen.
Was sind Liegeschwielen eigentlich?
Fachlich werden Liegeschwielen auch Tylome genannt. Es handelt sich um eine Verdickung und Verhornung der Haut, die sich an Körperstellen bildet, an denen der Knochen ohne nennenswerte Fett- oder Muskelpolsterung direkt unter der Haut liegt. Vor allem an den Ellenbogen, aber auch an Sprunggelenken, Hüften und beim Brustbein kann diese Reaktion entstehen. Wichtig zu wissen: Liegeschwielen sind keine eigenständige Krankheit, sondern eine natürliche Schutzreaktion der Haut auf dauerhaften Druck.

Ein großer brauner Labrador liegt entspannt auf dem Holzboden eines hell eingerichteten Wohnzimmers. Der Hund trägt ein Halsband und ruht sich vor dem Sofa aus, während er den Raum gemütlich mit seiner Familie teilt.
Von der Liegeschwiele abzugrenzen ist das sogenannte Hygrom. Während ein Tylom lediglich aus Hornhaut besteht, handelt es sich beim Hygrom um eine mit Flüssigkeit gefüllte Zyste, die ähnlich aussehen kann, aber medizinisch anders zu behandeln ist. Im Zweifel sollte daher immer ein Tierarzt einen Blick auf die betroffene Stelle werfen.
Wie entstehen Liegeschwielen auf harten Böden?
Eine immer wieder auftretende mechanische Belastung der Haut in Form von Druck oder Reibung führt zu einer lokalen Entzündung, in deren Folge die betroffenen Hautzellen zu stark verhornen, was Tierärzte als Hyperkeratose bezeichnen. Deshalb entstehen Liegeschwielen besonders dann, wenn ein Hund zu lange oder zu häufig auf harten Böden mit Fliesen oder Parkett liegt. Da der Knochen beim Liegen direkt auf die Haut drückt, kommt es an diesen Stellen zunächst zu Haarausfall, da die Haut aufgrund des Drucks nicht mehr optimal durchblutet werden kann und im Laufe der Zeit immer mehr Hautzellen absterben. Der Körper versucht, diesem Prozess entgegenzuwirken, indem er eine immer stärker werdende Hornhaut bildet.
Neben dem harten Untergrund selbst spielen weitere Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Liegeschwielen. Bewegungsmangel gehört dazu: Hunde, die nicht regelmäßig aktiv sind, neigen dazu, länger in ein und derselben Position liegen zu bleiben, was den Druck auf die betroffenen Stellen zusätzlich erhöht. Auch Übergewicht verstärkt das Problem, da zusätzliches Gewicht auf denselben Hautstellen lastet. Nicht zuletzt spielt die Genetik eine Rolle: Einige Hunderassen sind aufgrund ihrer Körperstruktur oder Hautbeschaffenheit eher geneigt, solche Hautveränderungen zu entwickeln – bei sehr dünnhäutigen Rassen wie dem Dobermann etwa liegt das an der besonders dünnen Haut.
Welche Hunde sind besonders betroffen?
Liegeschwielen sind ein häufiges Problem bei Hunden, insbesondere bei älteren oder schwereren Tieren, die viel Zeit im Liegen verbringen. Größere und schwerere Hunde wie Labrador Retriever oder Deutsche Schäferhunde sind besonders anfällig, da ihr höheres Gewicht zusätzlichen Druck auf die Hautstellen ausübt. Auch Rassen mit langen, dünnen Beinen wie Greyhounds, Whippets oder Dobermännern liegen oft verstärkt auf den Ellenbogen und entwickeln dort entsprechend häufiger Schwielen. Bei Dackeln oder Dobermännern wiederum findet man solche Hornhautverdickungen aufgrund des tiefen Brustkorbs mitunter zusätzlich am Brustbein.

Detaillierte Nahaufnahme einer Hundepfote, die die charakteristische Struktur der Ballenballen und die Krallen zeigt. Das Bild verdeutlicht die Anatomie und Beschaffenheit der empfindlichen Hundeballen, die regelmäßiger Pflege und Aufmerksamkeit bedürfen.
Symptome erkennen: Hornhaut und Haarausfall
Die Symptome einer Liegeschwiele sind meist gut erkennbar. Typisch sind haarlose, graue, meist runde oder ovale Stellen mit einer schorfigen, teilweise faltig-rissigen Oberfläche. Die betroffenen Bereiche fühlen sich deutlich härter an als das umgebende Gewebe und erinnern in fortgeschrittenem Zustand an eine Art Elefantenhaut. In den meisten Fällen treten Liegeschwielen beidseitig auf, gelegentlich kommen aber auch einseitige Ausprägungen vor.
Da die Veränderungen schleichend entstehen, werden sie von Halterinnen und Haltern oft erst spät entdeckt. Bereits die ersten Anzeichen von Hornhaut an Knie- oder Ellenbogengelenken sowie am Brustbein sollten deshalb ernst genommen und im Blick behalten werden. Problematisch wird es vor allem dann, wenn die betroffenen Stellen aufreißen, bluten und sich entzünden. Verschlimmern sich die Hautveränderungen von Tag zu Tag oder zeigt der Hund weitere Krankheitsanzeichen wie Schwäche, Fieber oder starken Gewichtsverlust, sollte umgehend eine Tierarztpraxis aufgesucht werden – auch um andere, ernstzunehmende Hauterkrankungen sicher auszuschließen.
Pflege bei bestehenden Liegeschwielen
Glücklicherweise geht es den meisten Hunden mit Liegeschwielen generell gut, und eine aufwendige Behandlung ist in der Regel nicht notwendig. Meist reicht es aus, die empfindlichen Stellen regelmäßig mit einer geeigneten Salbe zu pflegen, um die Haut geschmeidig zu halten und die Durchblutung zu fördern. Bei bereits geschlossenen, trockenen Schwielen kommen dafür verschiedene bewährte Mittel zum Einsatz.
- Melkfett: Das klassische, fetthaltige Hausmittel kann rissige und trockene Hornhaut weicher machen. Da eine frisch eingecremte Schwiele leichter aufscheuert, sollte der Hund direkt nach dem Eincremen weich liegen können.
- Ringelblumensalbe (Calendula): Ringelblume ist für ihre hautpflegenden Eigenschaften bekannt und wird von vielen Hundehaltern und in Foren als bewährtes Mittel zur Pflege gereizter oder geschlossener Liegeschwielen genannt.
- Spezieller Pfotenbalsam: Balsame mit Inhaltsstoffen wie Kokosöl, Bienenwachs und Ringelblume, die eigentlich für die Pfotenpflege entwickelt wurden, lassen sich auch auf geschlossenen, trockenen Liegeschwielen anwenden und spenden zusätzlich Feuchtigkeit.
- Cremes mit Harnstoff oder Dexpanthenol: Solche feuchtigkeitsspendenden Präparate können verhornte Haut zusätzlich weicher machen.
Ein wichtiger Hinweis vorab: Bevor Sie Naturheilmittel wie Kokosöl oder Ringelblumensalbe anwenden, sollten Sie im Zweifel Rücksprache mit Ihrem Tierarzt halten, da solche Hausmittel kontraproduktiv sein können, etwa wenn bereits Bakterien in offene Hautstellen eingedrungen sind. Achten Sie außerdem darauf, geschmacksneutrale Produkte zu verwenden, da Kokosöl und andere angenehm riechende Salben den Hund dazu animieren können, an den Ellenbogen herumzulecken.
Wann ist der Gang zum Tierarzt notwendig?
Sind die Liegeschwielen stark entzündet und schmerzhaft, kann der Tierarzt Entzündungshemmer und schmerzlindernde Medikamente verschreiben; sind zusätzlich Bakterien an der Entzündung beteiligt, kann unter Umständen auch eine Antibiotikagabe notwendig werden. Bei offenen oder entzündeten Schwielen ist grundsätzlich eine tierärztliche Behandlung mit Antiseptika angeraten. Zur Entlastung kann außerdem eine spezielle Ellbogen-Bandage sinnvoll sein, die käuflich erworben oder mit einem Schlauchverband aus der Apotheke selbst angelegt werden kann. Kontrollieren Sie die Haut unter einer solchen Bandage täglich auf Rötungen, Scheuerstellen und Feuchtigkeit.
Vorbeugung: Orthopädische Betten und weiche Liegeflächen
Die beste Strategie gegen Liegeschwielen ist die Vorbeugung, denn wer optimale Liegebedingungen schafft, kann das Risiko der Entstehung erheblich reduzieren und aufwendige Behandlungen ersparen. Im Mittelpunkt steht dabei die richtige Wahl des Schlafplatzes.
- Orthopädisches Hundebett: Diese Betten sind häufig mit Memory-Schaum oder einer Kokos-Latex-Matratze gefüllt, der sich an die Körperform anpasst, den Druck gleichmäßig verteilt und die Gelenke entlastet. Der Hund sinkt dabei an bestimmten Stellen leicht ein, während sein Gewicht an den restlichen Stellen von der Oberfläche getragen wird.
- Dicke Decken und Kissen: Auch einfache, gut gepolsterte Decken oder Kissen können helfen, solange sie ausreichend dick sind und nicht verrutschen. Besonders kurzhaarige Rassen nehmen zusätzliche Polsterung gerne an.
- Harte Böden meiden: Idealerweise sollte der Hund nicht dauerhaft direkt auf Fliesen, Beton oder Holzböden liegen müssen.
- Ellenbogenschoner: Hunden, die trotz weicher Angebote gerne auf kühlen, harten Böden liegen, kann mit gestrickten oder genähten Ellenbogenschonern geholfen werden.
Die Realität sieht allerdings oft anders aus als der gute Vorsatz: Viele Hunde suchen sich ihren Schlafplatz lieber selbst aus und bevorzugen gerade an warmen Tagen die kühlen Fliesen gegenüber dem weichen, aber wärmenden Körbchen. Hier ist etwas Flexibilität gefragt – zum Beispiel, indem Sie an besonders beliebten kühlen Liegeplätzen zusätzlich eine dünne, atmungsaktive Unterlage anbieten, statt komplett auf ein gepolstertes Bett zu setzen.
Weitere Vorbeugemaßnahmen für den Alltag
Neben dem passenden Bett spielen auch Bewegung und Ernährung eine Rolle. Regelmäßige, an das Alter und den Gesundheitszustand angepasste Spaziergänge und Spieleinheiten sorgen dafür, dass Ihr Hund nicht dauerhaft in derselben Position verharrt. Um die Hautfunktion generell zu stärken, können ungesättigte Fettsäuren in Form von hochwertigen Ölen wie Lachsöl dem Futter beigemischt werden. Kontrollieren Sie außerdem regelmäßig die Ellenbogen und andere Druckpunkte Ihres Hundes, damit Sie erste Anzeichen von Hornhautbildung frühzeitig erkennen und gegensteuern können, bevor daraus größere Probleme entstehen.
Fazit: Aufmerksamkeit und die richtige Liegefläche zahlen sich aus
Liegeschwielen sind bei großen und schweren Hunden keine Seltenheit und in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge, solange die Haut geschlossen bleibt. Mit einer geeigneten Pflege durch Melkfett, Ringelblumensalbe oder speziellen Pfotenbalsam sowie einem hochwertigen orthopädischen Hundebett können Sie Ihrem Vierbeiner viel Unbehagen ersparen. Beobachten Sie die betroffenen Stellen aufmerksam und zögern Sie bei Entzündungen, offenen Wunden oder anderen Auffälligkeiten nicht, tierärztlichen Rat einzuholen.
Quellen
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