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Gefahren

Zecken im Herbst: Warum die Gefahr für Hunde trotz Kälte weiterbesteht

Autor: Simon
AutorSimon
Veröffentlicht08. September 2026
Lesezeit7 Min.
Nahaufnahme einer Zecke auf menschlichem Finger mit spielendem weißen Hund im Hintergrund
Viele Hundehalter atmen im Herbst auf und denken, die Zeckensaison sei vorbei. Ein gefährlicher Irrglaube: Auwaldzecke und Gemeiner Holzbock bleiben bis in den Winter aktiv und können Babesiose oder Anaplasmose übertragen. Wir erklären, warum jetzt besondere Vorsicht gefragt ist.

Die Blätter fallen, die Temperaturen sinken – und viele Hundehalter glauben, endlich durchatmen zu können. Doch dieser vermeintliche Feierabend für die kleinen Blutsauger ist ein Trugschluss mit ernsten Folgen. Gerade im Herbst lauert für Hunde eine unterschätzte Gefahr, die aufmerksames Handeln erfordert.

Der Irrglaube vom zeckenfreien Herbst

Kaum sinken die Temperaturen, glauben viele Hundehalter unterliegen dem weit verbreiteten Irrtum, dass Zecken ausschließlich im Frühjahr und Sommer aktiv sind. Diese Annahme ist gleich in zweifacher Hinsicht gefährlich.

Zum einen stimmt es schlicht nicht, dass die Parasiten mit dem Kalenderherbst verschwinden. Zum anderen kehrt sich das eigentliche Risiko im Jahresverlauf sogar um: Zwar wird die Aktivität der Zecken zum Winter hin insgesamt geringer, doch steigt gleichzeitig bei jedem einzelnen Biss das Risiko einer Infektion deutlich an. Die Aktivität der Parasiten wird zwar zum Winter hin immer geringer, im Gegenzug steigt jedoch für den Hund bei jedem Biss das Risiko, sich mit gefährlichen Krankheiten zu infizieren, weil zum Ende des Jahres deutlich mehr Zecken mit den gefährlichen Erregern infiziert sind als zur Zecken-Hauptsaison im Frühjahr. Zecken, die im Frühjahr bereits einen Wirt gefunden haben, haben ihre Häutung im Herbst hinter sich und sind erneut bereit zuzustechen.

Eine wirkliche Entwarnung gibt es erst, wenn dauerhafter Frost einsetzt. Wirklich sicher sind Hundehalter und Hund erst in den richtig knackig-kalten Wintermonaten, denn erst wenn das Thermometer dauerhaft unter null Grad fällt, ziehen sich die Zecken in wärmere Bodenschichten zurück und überwintern dort. Bis dahin bleibt der Spaziergang durch Wald und Wiese ein potenzielles Risiko.

Auwaldzecke und Gemeiner Holzbock: Zwei Profis der Kältetoleranz

Um die Herbstgefahr richtig einzuschätzen, lohnt sich ein Blick auf die beiden in Deutschland wichtigsten Zeckenarten für Hunde: den Gemeinen Holzbock und die Auwaldzecke. Beide reagieren unterschiedlich auf Kälte, doch keine der beiden Arten zieht sich bei milden Temperaturen vollständig zurück.

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus)

Der Gemeine Holzbock ist die mit Abstand häufigste Zeckenart in Deutschland. Er bevorzugt eine hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 17 und 20 Grad Celsius und hat im Jahresverlauf zwei Aktivitätshöhepunkte: einen in der Zeit von Mai bis Juni und einen weiteren im September. Damit fällt der zweite Aktivitätsgipfel dieser Zeckenart mitten in den Frühherbst – ausgerechnet die Zeit, in der viele Hundehalter bereits nachlässiger werden.

Entscheidend ist zudem, wie wenig Wärme der Holzbock tatsächlich benötigt, um aktiv zu werden. Es genügt bereits, wenn die Temperaturen an einigen aufeinanderfolgenden Tagen über sechs Grad Celsius liegen, damit Zeckenarten wie der Gemeine Holzbock aus ihrer Kältestarre erwachen und zur möglichen Gefahr für Hund und Halter werden. Ein sonniger Herbsttag mit milden Temperaturen reicht also vollkommen aus, um die Zecken wieder aus der Vegetation krabbeln zu lassen.

Die Auwaldzecke: Die Winterzecke schlägt zu

Noch deutlicher zeigt sich die Kältetoleranz bei der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), die aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit auch als Winterzecke bezeichnet wird. Adulte Auwaldzecken zeigen in Mitteleuropa typischerweise ein bimodales Aktivitätsmuster mit deutlichen Schwerpunkten im Frühjahr und im Herbst, während im Sommer eher Larven und Nymphen dominieren.

Ihre Kälteresistenz ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Studien berichten Wirtssuche bereits bei 0,7 Grad Celsius Lufttemperatur, eine konstante Aktivität ab etwa vier Grad sowie Funde aktiver Tiere in Deutschland selbst in den Wintermonaten Dezember bis Februar. Damit ist klar: Ein Kälteeinbruch allein bietet keinen verlässlichen Schutz. Erst bei Dauerfrost ziehen sich auch diese Tiere zurück.

Auf der Jagd nach einem Wirt verlässt sich die Auwaldzecke auf eine Hinterhaltstaktik. Adulte Tiere steigen auf Gräser, Kräuter und Büsche und warten dort auf vorbeistreifende Wirte, während die Jugendstadien deutlich seltener frei suchend auf der Vegetation gefunden werden, weil sie stärker an Nester und Baue kleiner Wirte gebunden sind. Wald- und Wiesenränder, Waldlichtungen und feuchte Übergangsbereiche zwischen Wald und Wasser zählen zu ihren bevorzugten Lebensräumen. Ursprünglich nur regional verbreitet, ist die Art heute in ganz Deutschland zu finden – die Zeckenaktivität hat sich laut Untersuchungen in den vergangenen Jahren zudem zeitlich nach vorne verschoben.

Welche Krankheiten übertragen Herbstzecken auf Hunde?

Die eigentliche Gefahr eines Zeckenstichs liegt nicht im Stich selbst, sondern in den Krankheitserregern, die dabei übertragen werden können. Für Hunde sind vor allem zwei Erkrankungen relevant, die durch die im Herbst aktiven Zeckenarten verbreitet werden: Babesiose und Anaplasmose.

Babesiose: Die Hundemalaria

Die Babesiose, im Volksmund auch Hundemalaria genannt, wird vor allem durch die Auwaldzecke übertragen. Ähnlich der Malaria beim Menschen werden bei befallenen Hunden die roten Blutkörperchen zerstört, sodass der Hund bereits nach vier bis fünf Tagen an Blutarmut oder innerhalb von zehn Tagen an Nierenversagen sterben kann. Diese Erkrankung ist damit eine der gefährlichsten zeckenübertragenen Infektionen für Hunde in Deutschland überhaupt.

Typische Warnzeichen sollten Hundehalter unbedingt kennen. Typische Anzeichen sind hohes Fieber, Fressunlust, Abgeschlagenheit, blasse Schleimhäute und auffällig dunkler Urin, wobei die Symptome oft einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenbiss auftreten. Früher galt die Babesiose vor allem als Reisekrankheit aus südlichen Ländern. Inzwischen zeigen Studien jedoch, dass infizierte Auwaldzecken auch hierzulande vorkommen, sodass eine Ansteckung selbst ohne Auslandsreise möglich ist. Da die Erkrankung unbehandelt lebensgefährlich verlaufen kann, gehört jeder Verdacht sofort in tierärztliche Hände.

Anaplasmose: Der unterschätzte Blutsauger-Gruß

Die Anaplasmose wird vor allem vom Gemeinen Holzbock übertragen und ist in Deutschland deutlich weiter verbreitet, als viele Hundehalter annehmen. Der Erreger Anaplasma phagocytophilum befällt gezielt Zellen des Immunsystems. Die Erreger befallen die neutrophilen Granulozyten, also Zellen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören und als Bestandteil des Immunsystems Krankheitserreger eigentlich abwehren sollten, wodurch die Bakterien zum Teil das Abwehrsystem des Hundes umgehen.

Häufig verläuft eine Infektion zunächst unauffällig. Wenn Symptome auftreten, zeigen sich typischerweise Fieber, Appetitlosigkeit, geschwollene Gelenke, Nasenbluten und allgemeine Schwäche, wobei die Anzeichen oft einige Tage nach dem Zeckenbiss auftreten. Die Behandlung erfolgt in der Regel über mehrere Wochen mit dem Antibiotikum Doxycyclin. Positiv ist: Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt, ist die Prognose meist sehr gut. Eine Impfung gegen Anaplasmose gibt es bislang jedoch nicht, weshalb der konsequenten Vorbeugung eine besonders große Bedeutung zukommt.

Effektiver Zeckenschutz im Herbst: So schützt du deinen Hund

Da es gegen die meisten zeckenübertragenen Krankheiten beim Hund keine Impfung gibt, bleibt die konsequente Vorbeugung der wichtigste Schutzmechanismus. Das gilt im Herbst genauso wie im Frühjahr – ein Aussetzen der Prophylaxe allein wegen sinkender Temperaturen ist nicht empfehlenswert.

  • Zeckenschutzmittel konsequent weiter anwenden: Spot-on-Präparate, Tabletten oder Zeckenhalsbänder wirken nur zuverlässig, wenn sie auch im Herbst und bei milden Wintertagen regelmäßig erneuert werden.
  • Risikogebiete bewusst wählen: Hohes Gras, Waldränder, Lichtungen und feuchte Übergangszonen zwischen Wald und Wiese sind bevorzugte Aufenthaltsorte von Auwaldzecke und Holzbock.
  • Fell regelmäßig kontrollieren: Ein Zeckenkamm hilft dabei, noch nicht festgesaugte Zecken frühzeitig aus dem Fell zu entfernen, bevor sie zustechen können.
  • Auf Wetterlage achten: An milden Herbsttagen mit Temperaturen über sechs bis acht Grad ist besondere Vorsicht angebracht, da beide Zeckenarten dann aktiv auf Wirtssuche gehen.

Richtig absuchen nach dem Spaziergang

Nach jedem Spaziergang gehört das gründliche Absuchen des Hundes zur festen Routine – gerade weil Zecken sich oft an unauffälligen Stellen festsetzen. Da die Parasiten nicht springen, sondern sich beim Vorbeistreifen anheften, konzentriert sich der Befall häufig auf Körperstellen, die dem Boden am nächsten sind.

Besonders gründlich sollte an folgenden Stellen kontrolliert werden, denn dort setzen sich Zecken bevorzugt an gut durchbluteten, dünnhäutigen Bereichen mit wenig Fell fest: dazu gehören unter anderem Kopf und Ohren einschließlich der Innenseiten, sowie Achseln, Leistengegend, Genitalbereich und die Zwischenzehenbereiche.

Wird eine Zecke entdeckt, sollte sie zeitnah und richtig entfernt werden. Am besten eignet sich dafür eine Zeckenzange, Zeckenkarte oder ein spezieller Zeckenhaken: Die Zecke wird möglichst nah an der Haut gegriffen und langsam sowie gleichmäßig herausgezogen. Von Hausmitteln wie Öl, Klebstoff oder Alkohol auf der Zecke ist dringend abzuraten, da gestresste Zecken vermehrt Speichel und damit möglicherweise Krankheitserreger abgeben können. Nach der Entfernung lohnt es sich, die Einstichstelle einige Tage im Blick zu behalten und bei Rötungen, Schwellungen oder allgemeinem Unwohlsein des Hundes zeitnah eine Tierarztpraxis aufzusuchen.

Der Herbst mag gemütlicher wirken als der Hochsommer – für Zecken und die von ihnen übertragenen Krankheiten gilt das nicht. Wer seinen Hund auch in der kühleren Jahreszeit konsequent schützt und nach jedem Spaziergang gründlich absucht, minimiert das Risiko erheblich und kann die goldene Jahreszeit gemeinsam mit seinem Vierbeiner unbeschwert genießen.

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