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Gefahren

Gefahr durch Pfützenwasser im Herbst: Leptospirose und Bakterien richtig einschätzen

Autor: Simon
AutorSimon
Veröffentlicht09. September 2026
Lesezeit6 Min.
Brauner Hund mit weißem Kopf trinkt aus einer Pfütze auf einem Waldweg zwischen hohen Bäumen
Herbstpfützen sehen harmlos aus, können aber Leptospiren und Giardien beherbergen. Wir erklären, wie sich Hunde anstecken, welche Symptome auf eine Infektion hindeuten und wie du deinen Vierbeiner beim Gassi gehen wirksam schützt.

Nach einem Regenschauer im Herbst glitzern sie überall am Wegrand: Pfützen. Für viele Hunde sind sie eine willkommene Erfrischung zwischendurch – ein schneller Schluck auf dem Spaziergang, mal eben die Pfoten kühlen oder mit der Schnauze im Schlamm wühlen. Was harmlos wirkt, kann jedoch unsichtbare Risiken bergen. Gerade im Herbst, wenn Temperaturen und Feuchtigkeit ideale Bedingungen für Krankheitserreger schaffen, lohnt sich ein genauerer Blick auf das, was sich im stehenden Wasser wirklich verbirgt.

Warum trinken Hunde so gerne aus Pfützen?

Das Verhalten hat einen ganz einfachen Grund: Da ein Hund beim Laufen und Schnüffeln durstig wird, erscheinen ihm Pfützen als willkommene Gelegenheit zum Trinken. Der Geruch von Erde, Laub und anderen Tieren macht das Wasser für die feine Hundenase zusätzlich interessant. Anders als wir Menschen können Hunde nicht erkennen, ob ein Gewässer mit Bakterien oder Parasiten belastet ist – Geschmack und Geruch geben ihnen keine verlässliche Warnung. Besonders bei feuchtem, mildem Herbstwetter bleiben Pfützen oft tagelang bestehen und werden so zu kleinen, aber tückischen Wasserreservoirs am Wegesrand.

Erreger im stehenden Wasser: Leptospiren, Giardien und Bakterien

Stehendes Wasser ist ein idealer Lebensraum für verschiedene Krankheitserreger, die für Hunde ernste Folgen haben können. Zwei davon stehen besonders im Fokus: Leptospiren und Giardien.

Leptospirose: Die Gefahr aus dem Wasser

Leptospirose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch fadenförmige Bakterien namens Leptospiren ausgelöst wird. Leptospirose ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die die Organe des Hundes befällt. Je nach Verlauf kann sie tödlich sein. Verbreitet werden die Erreger vor allem durch Wildtiere: Die Quelle für Leptospirose-Infektionen sind überwiegend Mäuse und Ratten, über deren Urin große Mengen an diesen Bakterien ausgeschieden werden.

Besonders brisant für die Jahreszeit: Erkrankungen können zu jeder Jahreszeit vorkommen, treten aber laut Studien am häufigsten im Spätsommer und Herbst auf. Der Grund liegt im Wasser selbst. Im Wasser fühlen sich die Bakterien besonders wohl, vor allem in langsam fließenden Gewässern, Tümpeln oder Pfützen. Bei warmen Temperaturen können die Leptospiren darin über Wochen und Monate infektiös bleiben. Auch der viele Herbstregen spielt eine Rolle: Aber auch bei tieferen Temperaturen oder wenn es im Herbst häufiger regnet und Pfützen quasi durchgängig Wasser enthalten, besteht die Gefahr einer Erkrankung deines Hundes mit Leptospiren.

Die Ansteckung erfolgt nicht nur übers Trinken. Hunde stecken sich mit Leptospirose an, indem sie die Bakterien über die Schleimhäute oder kleine Verletzungen in der Haut aufnehmen. So gelangen die Leptospiren schnell ins Blut und können sich ausbreiten. Auch für den Menschen ist die Krankheit relevant, denn der Erreger ist eine Zoonose und befällt neben Tieren auch Menschen.

Giardien: Unsichtbare Parasiten im Pfützenwasser

Neben Bakterien lauern in stehendem Wasser auch einzellige Parasiten, sogenannte Giardien. Giardien sind Parasiten, die sich im Darm von Hunden ansiedeln. Die Einzeller verbreiten sich über verunreinigtes Wasser oder kontaminierte Oberflächen. Besonders hartnäckig sind ihre Dauerformen: Hunde infizieren sich daher auch durch das Trinken aus Pfützen, Teichen oder durch das Lecken an kontaminierten Oberflächen. Die Giardienzysten sind äußerst widerstandsfähig und können in der Umwelt über längere Zeit überleben, was das Infektionsrisiko erhöht.

Wie widerstandsfähig die Zysten tatsächlich sind, zeigt ein weiterer Befund: Da Giardien in feuchter Umgebung oder in Wasser bis zu drei Monate überleben können, ist somit auch eine Ansteckung über kontaminierte Oberflächen oder Futter möglich. Besonders gefährdet sind junge Tiere: Während ausgewachsene Hunde in der Regel keine Symptome zeigen, können junge Hunde oder immungeschwächte Vierbeiner stark unter einer Giardiose leiden. Da Giardien besonders bei jungen Hunden hartnäckigen Durchfall verursachen können, ist die Gefahr einer Dehydration groß.

Symptome einer Infektion frühzeitig erkennen

Da beide Erreger unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen, ist es wichtig, die jeweiligen Warnsignale zu kennen und im Zweifel zeitnah tierärztlichen Rat einzuholen.

Anzeichen einer Leptospirose

Die Symptome zeigen sich meist erst nach einer gewissen Zeit: Akute Krankheitssymptome zeigen sich etwa fünf bis sieben Tage nach der Infektion. Die ersten Symptome sind meist unspezifische Anzeichen wie Appetitlosigkeit, Erbrechen und Apathie. Weitere mögliche Beschwerden sind Müdigkeit, Dehydration, Durchfall, Erbrechen, Fieber, Appetitlosigkeit, erhöhter Harnabsatz oder Atemnot.

Ein besonders auffälliges Warnsignal ist eine Gelbfärbung: Deshalb können je nach betroffenem Organ bei der Leptospirose Symptome wie eine gelbe Verfärbung der Bindehäute (beim Leber-Befall) oder ein vermehrter Urinabsatz (beim Nieren-Befall) auftreten. Wichtig zu wissen: Nicht jede Infektion verläuft mit deutlichen Symptomen. Viele Leptospiren-Infektionen bleiben allerdings unbemerkt oder weisen nur geringe klinische Symptome auf. Färben sich die Schleimhäute deines Hundes gelb, suche umgehend einen Tierarzt auf. Unbehandelt kann die Erkrankung schwere Folgen haben, da viele Patienten eine intensivmedizinische Betreuung zur Behandlung des Organversagens benötigen.

Anzeichen einer Giardien-Infektion

Bei Giardien stehen vor allem Verdauungsprobleme im Vordergrund. Ein mit Giardien infizierter Hund kann an Symptomen wie Durchfall, Erbrechen, Gewichtsverlust, Blähungen und allgemeiner Schwäche leiden. Der Kot kann schleimig oder fettig sein und einen üblen Geruch haben. Allerdings verläuft nicht jede Infektion sichtbar: Ein Giardienbefall kann völlig symptomlos verlaufen. Besteht ein Verdacht, sollte eine Kotprobe untersucht werden: Hegst du aufgrund der Kotkonsistenz und des -geruchs den Verdacht auf einen Giardienbefall, solltest du unbedingt eine Kotprobe von deinem Tierarzt untersuchen lassen. Sammle am besten während drei verschiedenen Spaziergängen den Kot deiner Fellnase ein.

Vorbeugung beim Gassi gehen und Impfschutz

Ein hundertprozentiger Schutz vor Pfützenwasser lässt sich im Alltag kaum umsetzen, doch mit ein paar einfachen Gewohnheiten lässt sich das Risiko deutlich senken.

Praktische Tipps für den Spaziergang

  • Hund beim Schnüffeln und Laufen aktiv beobachten und beim Ansetzen zum Trinken aus Pfützen mit einem klaren Kommando stoppen.
  • Immer frisches Wasser von zu Hause mitnehmen, damit der Hund gar nicht erst auf die Idee kommt, aus einer Pfütze zu trinken.
  • Nach dem Spaziergang Pfoten und Fell abspülen, besonders wenn der Hund durch Schlamm oder feuchtes Unterholz gelaufen ist.
  • Trink- und Fressnäpfe regelmäßig reinigen, da auch diese eine Infektionsquelle darstellen können.
  • Bei ersten Auffälligkeiten wie Durchfall, Erbrechen oder Appetitlosigkeit zeitnah den Tierarzt aufsuchen, statt abzuwarten.

Als hilfreiche Alternative empfiehlt eine Hundeexpertin: Am besten ist es, wenn Halter*innen immer eine Alternative für den Hund dabei hat, etwa eine Flasche sauberes Wasser, welches ihm dann angeboten werden kann.

Der Impfschutz gegen Leptospirose

Da sich eine Ansteckung über Pfützen im Alltag kaum vollständig vermeiden lässt, kommt der Impfung eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund der schweren Erkrankungen beim Hund und des Ansteckungsrisikos für den Menschen zählt die Leptospirose-Impfung zu den wichtigsten Impfungen (Core-Impfung) nach den Impfleitlinien der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet). Das bedeutet: jedes Tier muss zu jeder Zeit und unabhängig von Haltungsbedingungen und Alter dagegen geschützt sein.

Anders als bei vielen anderen Impfungen reicht eine einmalige Grundimmunisierung nicht aus. Die Leptospirose sollte jährlich aufgefrischt werden. Da es in Deutschland verschiedene Erregertypen gibt, lohnt sich außerdem ein Blick auf den verwendeten Impfstoff: Bei der Leptospirose ist es wichtig zu beachten, dass es viele verschiedene Erregertypen (Serovare) gibt, die regional unterschiedlich häufig vorkommen. Optimal geschützt werden Hunde mit sogenannten polyvalenten Impfstoffen, die gegen mehrere dieser Serovare schützen. Ein Gespräch mit der Tierarztpraxis über den passenden Impfstoff ist daher sinnvoll, ebenso wie die jährliche Auffrischung idealerweise vor Beginn der wärmeren, feuchten Jahreszeit.

Gegen Giardien gibt es dagegen keine Impfung. Hier bleiben Hygiene, Beobachtung und im Verdachtsfall eine tierärztliche Kotuntersuchung die wichtigsten Werkzeuge. Wer diese einfachen Regeln beherzigt, nimmt seinem Hund die Freude am herbstlichen Spaziergang nicht – schützt ihn aber gleichzeitig vor unangenehmen Überraschungen aus der nächsten Pfütze.

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